Kleine Spiralen gegen chronische Atemnot

Neue Therapie bei schwerem Lungenemphysem

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als ein weltweit zunehmendes,  bedeutsames  Gesundheitsproblem eingeschätzt. Die COPD ist eine infolge des Einatmens von Schadstoffen bei individueller Veranlagung auftretende chronische Entzündung in den Atemwegen und in der Wand der Lungenbläschen. Der Entzündungszustand im Bereich der Lungenbläschen führt zum Lungenemphysem. Entsprechend kommt den Therapieoptionen des Lungenemphysems eine bedeutende Rolle zu.

Mit der innovativen interventionell-bronchologischen Lungenvolumen-Reduktionstherapie mit den RePneu® LVR Coils steht nun eine Methode zur Verfügung, die auch bei schwerem Emphysem dem  Erkrankten eine
nachhaltige Verringerung der Symptome seiner Erkrankung bei geringen  Nebenwirkungen und somit noch eine verbesserte Lebensqualität bieten kann.

Was ist ein Lungenemphysem?

Das Lungenemphysem ist die Folge einer chronischen Entzündung in den Wänden der Lungenbläschen. Diese Entzündung führt zu einer „Selbstverdauung“ und damit zum Abbau des Lungengewebes. Diesen Verlust  an Lungengewebe können der Körper und keine Therapie rückgängig machen. Kurz: Das Lungenemphysem ist irreversibler Verlust an Lungengewebe. Aus einem kleinwabigen elastischen Hohlorgan ist ein großkammriges Organ mit wenig Gewebespannung geworden.

In funktioneller Hinsicht hat das zwei Auswirkungen: Die Gewebeoberfläche der Lungen für die Sauerstoffaufnahme und die CO2 – Abgabe ist kleiner geworden. Daraus resultiert eine Herabsetzung des Sauerstoffgehaltes im Blut unter Belastung und in fortgeschrittenen Stadien auch schon in Ruhe. Weiterhin
fehlt der Lunge die Gewebespannung. Letztere ist für die Offenheit kleiner Atemwege, die inmitten der Lunge verlaufen, sehr wichtig.

Denn die kleinen Atemwege verfügen nicht über knorpelige, stabile Wandanteile, die für deren Offenheit sorgen. Sie werden durch die Gewebespannung der Wände der Lungenbläschen offengehalten. Das Lungengewebe hat für kleine Atemwege die Funktion einer Feder mit hoher elastischer Rückstellkraft. Beim Lungenemphysem kommt es beim Ausatmen infolge fehlender Gewebespannung zum Kollaps kleiner Atemwege. Die eingeat-
mete Luft bleibt in der Lunge gefangen. Es entsteht die Lungenüberblähung.

Diese Lungenüberblähung, wird vom Patienten als „Ersticken an der eingeatmeten Luft“ und „Nicht ausatmen können“ empfunden. Kompensatorisch setzen die Lungenemphysem-Patienten die Lippenbremse ein, um durch Überdruck in den Atemwegen, „zwar langsam, aber doch noch“ ausatmen zu können. Das am Ende des Ausatmens erhöhte Lungenvolumen führt zu einer Horizontalstellung des Zwerchfells, des wichtigsten Atemmuskels. Die Atempumpenwirkung durch Höher- und Tiefertreten des Zwerchfells ist reduziert oder ausgeschaltet. Die Bewegung von Luft durch die Atemwege
(Ventilation) ist nur noch durch den Einsatz der Atemhilfsmuskulatur des Schultergürtels möglich.

Das Ziel der Behandlung mit Nitinolspiralen ist es, der Lunge wieder Elastizität  zu verleihen, dadurch mehr Atemwegsoffenheit beim Ausatmen zu erreichen und so die Lungenüberblähung zu reduzieren. 

Das Wirkprinzip der Lungenvolumen-Reduktion mittels kleiner Spiralen (sogenannte Coils)

Mit den kleinen Spiralen wird ein kleiner Lungengewebsbezirk zusammengefaltet. Es entsteht eine sogenannte regionale Atelektase. Die Umgebung des atelektatischen Bezirks erhält dadurch wieder mehr elastische Rückstellkraft. Kleine Atemwege kollabieren beim Ausatmen nicht mehr. Der Atemwegswiderstand beim
Ausatmen sinkt und die Überblähung wird reduziert.

Durch die Summation mehrerer regionaler Atelektasen, kommt es im behandelten Lappen zu einer erheblichen Volumenminderung. Dies erlaubt im Nachbarlappen eine stärkere Vordehnung und bewirkt dort auch eine Wiedergewinnung an elastischer Rückstellkraft.

Die Behandlung

Bei den Spiralen - sogenannte Coils - handelt es sich um 100 bis 150 Millimeter lange  Nitinoldrähte mit einer Spiral-Gedächtnisform (Abb. 1). Sie  werden bronchoskopisch unter Durchleuchtungskontrolle und in gestreckter Form über einen Katheter in den am stärksten von dem Emphysem veränderten Ziellungenlappen eingebracht. Dort nehmen sie nach der Freisetzung aus dem Katheter die Spiralform mit Atelektasewirkung an.

Die optimale Dosis pro Lappen liegt bei zehn Coils (Abb. 2). Es wird je ein Lappen einer Lunge behandelt. Die Behandlung der zweiten Seite sollte im Abstand von sechs bis zwölf Wochen erfolgen. Die Behandlung wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt und dauert  20 - 30 Minuten.

Die Spiralen können (zumindest bis zu zwei Wochen nach der Implantation) problemlos wieder entfernt werden.

Ergebnisse der Lungenvolumen-Reduktion mittels Spiralen

Die Lungenvolumen-Reduktion führt bei über 80 % der behandelten Patienten infolge der nachhaltigen Verringerung der Symptome bei insgesamt geringen Nebenwirkungen und seltenen Komplikationen zu einer hohen Patientenzufriedenheit.

Die Vorteile

Im Unterschied zu der älteren Emphysemtherapiemethode mit Ventilen ist die  Lungenvolumen-Reduktion mittels Spiralen (LVRC) auch dann wirksam, wenn Gewebebrücken zwischen den Lappen einer Lunge vorhanden sind. Denn sie erfordert nicht die Ausschaltung eines ganzen Lungenlappens, sondern verbessert die Funktion des behandelten Lappens.

Im Unterschied zu anderen neuen LVR-Methoden (Polymerschaum, Wasserdampf) tritt die Wirkung der LVRC sofort nach der Behandlung ein und es bedarf für die Wirksamkeit keiner Entzündungsreaktion im behandelten Lungenlappen. Ebenfalls im Unterschied zur Polymerschaummethode und zur  LVR mit Wasserdampf können mit der LVRC auch die Unterlappen der Lunge
behandelt werden. Coils können - wie Ventile - im Bedarfsfalle auch wieder entfernt werden.

Auswahlkriterien für die neue Behandlungsmethode

Lungenemphysem-Patienten kommen dann für eine Lungenvolumen-Reduktion mittels Spiralen (LVRC) in Betracht, wenn das lungenfunktionsanalytisch bestimmte Residualvolumen - das ist das nach maximaler Ausatmung in der Lunge verbleibende Luftvolumen - mehr als 200 % vom Sollwert beträgt und die CT-Untersuchung der Lunge noch genügend Restlungengewebe als Voraussetzung für die mechanische Wirkungsentfaltung der Coils zeigt. Die LVRC kann im Ober- und im Unterlappen zur Anwendung kommen. Sie ist sowohl bei gleichmäßiger Verteilung der emphysematösen
Veränderungen in der Lunge (homogenes Emphysem) als auch bei unterschiedlicher Ausprägung des Emphysems zwischen Ober- und Unterlappen (heterogenes Emphysem) möglich.

Harte Ausschlusskriterien sind ein weitgehendes Fehlen von Restlungengewebe, eine stark erhöhter Blutdruck in der Lungenschlagader und eine auch für wenige Tage unverzichtbare Notwendigkeit zur Blutverdünnung z.B. mit Marcumar.